Giessereitechnik - Entwicklung

Das Grundprinzip der Formgebung durch Gießen hat sich in rund 5.000 Jahren gießereitechnischer Geschichte nicht geändert: Das Schmelzen der Metalle und das Gießen der Formen, deren Hohlraum dem Negativ des gewünschten Abgusses entspricht. Verändert haben sich dagegen die gießereitechnischen Herstellungsverfahren, die Werkzeuge und Einrichtungen für deren Durchführung und vor allem die Vielfalt und Güteeigenschaften der Gusserzeugnisse.

Gusskonstruktionen sind heute High-Tech, die über Mehrfachfunktionen den Kundennutzen rechenbar steigern. Eine moderne Gießerei konzentriert sich deshalb voll auf hochwertige, hochqualitative, innovative Erzeugnisse. Durch neue bzw. optimierte Gussverfahren, neue Metallwerkstoffe und Legierungen mit verbesserten Eigenschaften sowie umfangreichen Engineering-Leistungen sind Gießereien heute Entwicklungspartner statt Lieferanten. 

Vielseitig auf allen Ebenen
Vielfältig in der Anwendung sind auch die verwendeten Werkstoffe: Eisengusswerkstoffe wie Gusseisen und Stahlguss, Leichtmetall- Gusswerkstoffe aus Aluminium- und Magnesiumlegierungen und Kupferwerkstoffe wie Bronze und Messing; zu nennen sind auch Nickel, Chrom, Silicium, Titan, Zink und Zinn als Gusswerkstoffe und Legierungszusätze. Nach einer Vielzahl von Form- und Gießverfahren werden diese zu Gussteilen verarbeitet: Mit Einweg-Formen aus Sand oder Dauerformen aus Metall, aber auch Formen aus Keramik oder Gips. Das Metall wird mit natürlicher Schwerkraft in die Form gegossen oder mit Druck in die Form gepresst. Der Gießer spricht von Sandguss, Druckguss, Kokillenguss, Strangguss und Schleuderguss. Es gibt Einzelfertigung oder Serienproduktion von Kleinteilen mit wenigen Gramm bis zu Großgussstücken von über 500 Tonnen.

Wirtschaftlich in der Herstellung
Am Beginn einer jeden Produktentwicklung steht die Idee des Konstrukteurs. Sie muss Gestalt annehmen. Die Werkstoffauswahl richtet sich nach vielen Gesichtspunkten: Festigkeit bei hohen und tiefen Temperaturen, Bearbeitbarkeit, chemische Beständigkeit, Dehnung und vieles mehr. Wenn der Konstrukteur sich für einen metallischen Werkstoff entschieden hat, sucht er den wirtschaftlichsten Weg für die Herstellung des Teils. Metalle können durch Schmieden verformt oder aus dem Vollen gearbeitet werden. Das Gießen ist aber oft das wirtschaftlichste Verfahren zum Herstellen komplizierter Teile und auf jeden Fall der direkteste Weg, flüssiges Metall bei freizügiger konstruktiver Gestaltung in
die gewünschte Form zu bringen. 

Umweltbewusst und ressourcensparend
Wie kaum ein anderes Erzeugnis erfüllt das gegossene Bauteil die Forderungen nach Ressourcen und Energieschonung. Es ist  langlebig und lässt sich praktisch vollständig wieder in den Stoffkreislauf zurückführen. Recycling, d.h. die Wiederverwertung des Abfalls, ist in der Gießerei schon eine Selbstverständlichkeit gewesen, als dieses Wort noch gar nicht im Alltag angekommen war.

Weit mehr als die Hälfte des eingeschmolzenen Metalls besteht aus Gußbruch, Kreislaufmaterial, eigenen Fabrikationsabfällen und zugekauftem Fremdschrott. Auf diese Weise wirkt die Gießereiindustrie nicht nur rohstoff- sondern auch energiesparend. Zur Wiederaufbereitung von Schrott ist nämlich weniger Energie nötig als zur Gewinnung neuer Metalle.

Sicher in der Anwendung
Neu entwickelte Schmelzöfen, Formverfahren und Formstoffe belasten Arbeitsplätze und Umgebung immer weniger mit Staub, Hitze, Abgasen, Lärm und Bodenerschütterungen. An dieser Stelle sei auch die Ablagerung des Gießereialtsand in geordneten Deponien sogar zur Bildung neutralisierender Trennschichten genannt.

Die Sicherheit gegossener Teile ist unumstritten. Zahlreiche Sicherheitsteile in Personen- und Lastkraftwagen, in der Flugzeugindustrie und nicht zu letzt in Kraftwerken erfüllen höchste Qualitätsanforderungen. Zur Kontrolle werden solche Gussteile geröntgt, ultraschallgeprüft sowie mit Geschossen und mit Falltests strengsten Prüfungen unterzogen.