Gießerei-Industrie in Deutschland

Mittelstand mit Schlüsselfunktion

Betriebsgrößenstruktur der Unternehemen. [Quelle: BDGuss]

In keinem anderen europäischen Land werden mehr Gusserzeugnisse produziert als in Deutschland. Deutsche Gussprodukte und die technologische Kompetenz der deutschen Gießereien sowie der beteiligten Zulieferunternehmen sind weltweit anerkannt. Die Branche beschäftigt in rund 600 Eisen-, Stahl- und Nichteisen-Metallgießereien ca. 65.000 Mitarbeiter. Die Gießerei-Industrie ist überwiegend mittelständisch strukturiert. Rund 91 % der Unternehmen beschäftigen bis zu 500 Mitarbeiter. Größere Betriebe machen lediglich 9 % der Gesamtbranche aus. Mit einem Anteil von etwa einem Prozent an der Produktion des Produzierenden Gewerbes zählen die Gießereien zu den kleineren deutschen Industriezweigen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche ist aufgrund ihrer Zulieferfunktion jedoch weitaus größer. So gibt es innerhalb des Investitionsgüter-produzierenden Gewerbes kaum eine Branche, die nicht gegossene Komponenten verwendet. [Quelle: BDG]

In der Vielfalt liegt die Kraft

Auf Aluminiumguss werden über 88 % der NE-Metallgussfertigung verbucht. Ergänzend kommen im Leichtmetallguss noch knapp 1 % Magnesiumkomponenten dazu. Die Buntmetallgusserzeugnisse sind geprägt durch ca. 8 % Kupferguss sowie rund 3 % Zinkguss. Weitere NE-Metallgusssparten sind unter 1 % Anteil und spielen keine dominante Rolle, auch wenn Sie aufgrund ihrer Spezialanwendungsbereiche ihre Wettbewerbsfähigkeit tagtäglich unter Beweis stellen.

Die Werkstoffstruktur ist auf der Eisenseite (inkl. Stahlguss) dominiert durch 59 % Grauguss sowie 34 % Gusseisen mit Kugelgraphit. Auf Stahlguss entfallen 5 % der Gesamtfertigung. Tempergusskomponenten beanspruchen als hochspezialisierter Nischenwerkstoff 2 % des Produktionsvolumens.

Werkstoffstruktur, Eisen- und Nichteisenwerkstoffe. [Quelle: BDGuss]

Kein Industriezweig ohne Guss

Kundengruppen der Gießereien. [Quelle: BDGuss]

Die Kundengruppen der Gießereien sind weit gefächert. Einen über alle Werkstoffgruppen hohen Anteil hat der Straßenfahrzeugbau, welcher auf der FE-Seite bei ca. 56 % und auf der NE-Metallgussseite bei über 76 % liegt. Die zweitwichtigste Abnehmerbranche ist der allgemeine Maschinenbau mit seinen rund 40 verschiedenen Fachzweigen.

Darüber hinaus spielen die Bau- und die Stahlindustrie sowie Teilbereiche der Elektroindustrie eine wichtige Rolle. Ergänzend sind der Schienenfahrzeugbau, die Luft- und Raumfahrt sowie der Schiffbau zu erwähnen.

Marktführer in Europa

In Europa seit Jahren führend, spielen deutsche Gießereien im globalen Konzert zusammen mit den USA, China, Japan, Russland und Indien in der ersten Liga. Sie verfügen über entscheidende Wettbewerbsvorteile entlang der Wertschöpfungskette:

  • Hoher Qualitätsstandard der Produkte
  • Großes Maß an Flexibilität
  • Liefersicherheit und hohe Produktivität
  • Fundiertes Know-how und hohe Innovationsfähigkeit
  • Mitwirkung bei Simultaneous-Engineering-Projekten, Produktentwicklung
  • Bearbeitung, Montagen, Logistikleistungen
Eisen- und Stahlgussproduktion in Europa 2022 [Quelle: BDGuss]

Wechselhafte Entwicklung

Gussproduktion der deutschen Gießereien. [Quelle: BDGuss]

In den letzten Jahren hat sich der Trend bei den Endprodukte-Herstellern verstärkt, die eigene Fertigungstiefe zu reduzieren. Beschränkte sich früher der Lieferumfang der Gießereien auf die geputzten, also von Angussteilen und Formsandresten befreiten Gussstücke, so konnte jetzt die eigene Fertigungstiefe erweitert werden. Die Tendenz, fertigbearbeitete Teile anzubieten oder komplett einbaufertige Baugruppen zu liefern, setzt sich immer mehr durch. Das Selbstverständnis der deutschen Gießereien beinhaltet zudem, sich durch eigenständige Entwicklungsarbeit als Problemlöser für die Endprodukte-Hersteller anzubieten. Im Idealfall entsteht so nicht nur eine Produktions-, sondern auch eine Entwicklungs- und Serienpartnerschaft zwischen Zulieferer und Abnehmer.